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Ja, sie können! (Freie Presse Chemnitz, 01/2018)

Ja, sie können!

von Johann Christof Laubisch
erschienen: Freie Presse Chemnitz, 01/2018

Nach 25 Jahren ist deutscher HipHop salonfähig geworden. Das hat vor allem mit der Vielseitigkeit zu tun, mit der sich das Genre inzwischen präsentiert: vom populärem Straßenrap über eine musikalisch Indie-Rock geprägte Selbstreflexion bis hin zu HipHop Veteranen, die sich über Dakaden beweisen konnten, ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Aber nicht nur die männlichen Vertreter der Szene haben sich ihren Standpunkt gesichert . Über die letzten Jahre haben erstaunlich viele weibliche Rapperinnen ihren Weg ins Rampenlicht und ins Ohr der deutschen HipHop Hörer gefunden.

Exemplarisch dafür steht das HipHop Duo SXTN, bestehend aus den Berlinerinnen Nura und Jujo, die bereits mit ihrer Debüt-EP „Asozialisierungsprogramm“ 2016 für Aufsehen sorgten, indem sie sich der gleichen stilistischen Mittel bedienten wie ihre männlichen Kollegen.

Während in den 90er Jahren, als Deutschrap langsam anfing sich zu etablieren, man als Hörer bei Rapperinnen immer das Gefühl hatte, diese müssten krampfhaft auf ihrer Weiblichkeit insistieren, wirken SXTN wie eine moderne Facette der Emanzipation. Abgesehen von ihrer klaren Antihaltung zum Establishment, mit denen sie inzwischen ausverkaufte Touren füllen, geht es bei den beiden Mädels letztendlich garnicht ums Geschlecht, sondern darum, dass sie mit ihren männlichen Kollegen locker mithalten können. Ihr 2017 erschienenes Album „Leben am Limit“ ist eine Mischung aus partylastigen Mitmachsongs und sozialkritischen Anspielpunkten.

Ein Gegenstück, bildet die Rapperin „Sookee“, die mit bürgerlichen Namen Nora Hantzsch heißt und in Westberlin aufgewachsen ist.

Hantzsch studierte germanistische Linguistik und Gender Studies und engagiert sich durch die Arbeit mit Jugendlichen gegen Homophobie und Sexismus. Sie ist aktiv beim Verein Cultures interactive e.V., ein Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention.

In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Fragestellungen, wie Machtstrukturen und Identitäten in verschiedenen Lebenszusammenhängen verfasst, geäußert und aufgenommen werden. Sookee sieht einen Makel im Hip-Hop hinsichtlich Sexismus, Homophobie sowie Gewalt- und Kapitalismusidealisierung, den sie zu überwinden versucht und warf unteranderem dem Duo SXTN vor sich sexistischen Mitteln in ihrer Musik zu bedienen.

Letztes Jahr kam ihr mittlerweile sechstes Album „Mortem und Make-Up“ auf dem Markt, auf dem vor allem der Song „Q1“, in dem die gebürtige Mecklenburgerin sich klar gegen die politischen Umständen im Land positioniert: „Direkte Demokratie äußert sich neuerdings durch Brandanschläge. Sächsische Cops scheuen sich nicht ihren Rassismus bekannt zu geben.“ Und das bevor fragwürdige Einsatzfahrzeuge der hiesigen Polizei ein Thema wurden.

Die HipHop Kultur und somit auch die Rap-Musik, als eines ihrer Elemente, kann sich von politischen Botschaften nicht frei machen, immerhin wurde sie von unterdrückten Söhnen afrikanischer Sklaven in den U.S.A Anfang der 80er Jahre erfunden.

Ähnlich agierte die Rapperin Pilz aus Lübeck, die im Mai 2016 wurden in der Stadt Lübeck hunderte Plakate klebte, die sich gegen die AfD richteten. Sie zeigten die AfD-
Aktivistin Beatrix von Storch mit einem Hitlerbart und waren mit dem Schriftzug "Mut zur Wahrheit. Hitler kommt aus Lübeck" versehen.

Im letzten Jahr machte sie vor allem mit einem Battle, einem lyrischen Wortgefecht zwischen zwei Rappern, auf sich aufmerksam machte. In dem Format „Don‘t Let The Label Label You“ bezwang sie ihren muslimischen Kontrahenten indem sie die Religion zum Thema macht und nutzt die Tatsache, dass sie eine Frau ist, indem sie sich einen Hidsch?b, ein Kopftuch, anzieht. Sie provoziert, spielt mit einer bewussten Doppelbödigkeit und zeigt damit, auch indem sie politisch und sozial heikle Themen anschneidet, dass sie locker mit ihrem männlichen Gegner mithalten kann.

Eine weitere Künstlerin, die man dieses Jahr auf dem Radar haben sollte, ist „Eunique“. Mit ihrem Song „Besser“ setzte sie technisch neue Maßstäbe: moderner Sound trifft auf gekonnte Attitude und perfekt eingesetzte Flows. Ihr Debütalbum „Gift“ erscheint am 23.3.2018 über Chapter ONE/ Universal Music und bereits in kürzester Zeit sicherte sie sich die Unterstützung von Szenegrößen wie Marvin Game und Veysel.

Ausserdem wird die Newcomerin „Hayiti“, ebenfalls gebürtige Hamburgerin, im Januar 2018 ihr Debütalbum „Montenegro Zero“ veröffentlichen. Auch hier trifft ihr sehr interessanter, aggressiver und teilweise sogar penetranter Rapstil auf eine Mischung aus Cloudrap, Dancehall und Pop. Das durch Trettmann bekannt gewordene Produzenten- Team „Kitschkrieg“ ist für einige der Produktionen verantwortlich. Auch wenn man davon ausgehen würde, dass Ronja Zschoche, so Hayitis bürgerliche Name, versucht den Nerv der Zeit zu treffen, ist das unter gar keinen Umständen der Fall: sie versucht sich nicht anzupassen, nicht kalkuliert zu sein, sich immer wieder neu zu definieren.

Das Auftauchen so vieler weiblicher Künstlerinnen entfache neben gefühlt tausend chauvinistischen Social-Media-Kommentaren natürlich auch in der HipHop Szene eine Gleichberechtigungsdebatte. Haben es die Frauen schwerer in einem von Männer dominierten Genre und dürfen sie sich der gleichen Mittel bedienen wie ihre männlichen Kollegen ?

Im letzten Jahr wurde unter anderem dadurch in der Rapszene eine Sexismus-Debatte losgetreten, die es in solcher Form nicht gab: Rap als Spiegel der Gesellschaft ist nicht befreit von Sexismus und Gleichberechtigungsdiskussionen, wo fängt eine Kunstfigur an, die sich bestimmter stilistischer Mittel bedient und wo die Privatperson, die sich moralisch zu verantworten hat?

Verantworten musste sich auch die Rapperin Schwesta Ewa, die letztes Jahr leider nicht wegen neuer Musik in der Öffentlichkeit stand, sondern vor Gericht weil ihr der Vorwurf zum Verdacht auf Menschenhandel zum Zweck der sexuellen
Ausbeutung, Zuhälterei, Körperverletzung sowie Steuerhinterziehung gemacht wurde.

Das mag absurd klingen, aber es ist Schwesta Ewa, die einer ganzen Generation von Rapperinnen eine Tür geöffnet hat. Als ehemalige Prostituierte brachte Ewa Malanda 2015 ihr Debütalbum „Kurwa“ raus, auf dem sie sehr offen und realitätsnah mit ihrer Vergangenheit umging. Aus dem verachteten und doch geliebten Berufsbild der „Hure“

wurde eine Rapperin und sie machte es ihren männlichen Kollegen gleich und steig in die deutschen Charts ein - Emanzipation auf einer sehr aussergewöhnlichen aber modernen Ebene.

Am 20. Juni 2016 wurde sie wegen 35-facher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und sexueller Verführung Minderjähriger zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Vorwürfe der Zuhälterei und des Menschenhandels sah das Gericht allerdings nicht als erwiesen an. Alle Zeugenaussagen waren entlastend.

Frauenrap ist also so vielseitig wie das gesamte Deutschrap-Genre und hat auf vielen Ebenen dazu beigetragen, dass emanzipatorische und sexistische Diskussionen angestoßen wurden. Wäre also nur noch zu wünschen, wenn einer der Grundgedanke von HipHop „egal, wo du herkommst, egal, welche Religion, welches Geschlecht oder Hautfarbe du hast, es kommt darauf an, was du kannst.“ sich auf mehr Menschen überträgt.

Politische Popkultur (Freie Presse Chemnitz, 03/2018)

Politische Popkultur

von Johann Christof Laubisch

erschienen: Freie Presse Chemnitz, 03/2018

Seit letzter Woche läuft mit „Black Panther“ der neueste Streich des Marvel Cinematic Universe in den deutschen Kinos.
Selten war ein Comicverfilmung so gehyped wie diese, denn in ihr verschmelzen sozial- politische Themen mit moderner Popkultur. Was einerseits an der kompletten Aufmachung und dem Team liegt und andererseits an der Wahrnehmung eines schwarzen Superhelden.

„Black Panther“ schließt direkt nach „Captain America: Civil War“ an:

T‘Challa (Chadwick Boseman) kehrt nach Wakanda zurück, um dort, nach dem Tod seines Vaters, König zu werden. Wakanda ist ein fiktives afrikanisches Königreich mit zwei sehr verschiedenen Seiten: die eine, die nach außen getragen wird und ein klassisches Dritte- Welt-Land vermuten lässt und die andere, der Außenwelt verborgene und umso spannendere Seite eines florierenden Landes, denn Wakanda wurde nie kolonialisiert, hat keine Kriege gefochten und durch den ebenfalls fiktiven Rohstoff Vibranium sehr viel Reichtum erwirtschaftet.

T‘Challa, der Black Panther, muss entscheiden, in welche Richtung sich das Land weiter entwickeln soll Entweder er teilt Wakandas Geheimnis mit der Welt oder lässt wie sein Vater die Geheimnisse des Landes im Verborgenen.
Erschwerend kommt hinzu, dass so einige Menschen es auf ebenjenen Rohstoff abgesehen haben, dem das Land seinen Wohlstand verdankt, unter ihnen der Antagonist Erik Killmonger (Michael B. Jordan). Er erhebt nicht nur Anspruch auf das Vibranium, sondern auch auf den Thron, mit dem Ziel, die Unterdrückung der Schwarzen weltweit zu stoppen – mit Hilfe von Vibranium-Waffen.

„Black Panther“ ist der erste protagonistische schwarze Superheld auf der großen Leinwand, der alle Eigenschaften eines solchen und darüber hinaus eine starke Symbolik verkörpert. Punkt! Und ja, es gibt auch andere schwarze Comicfiguren wie Blade, der aber allein schon durch seine Vampireigenschaften eher als Antiheld einzuordnen ist. Oder Nick Fury, der mit dem großartigen Samuel L. Jackson zwar einen tollen Schauspieler gefunden hat, aber immer als Mann im Hintergrund das Team um die Avengers leitet. Und natürlich Hancock, die wohl unsinnigste Comicfigur, verkörpert von Will Smith.

T‘Challa hingegen ist so etwas wie der Martin Luther King des Popcornkinos: ein junger, intelligenter, schwarzer Mann, der gerade seinen Vater verloren hat und dessen Thronerbe er mit dem Bewusstsein antreten muss, ein Land zu regieren, das unablässig von den wirtschaftlich Stärkeren ausgebeutet zu werden droht

Aber dieser Film leistet mehr als nur Popcornkino zu sein und dem Zuschauer die letzte Startrampe für das erste große Marvel-Finale „Infinity War“ zu ebnen; er zeigt uns durch den um den Film herum stattfindenden Diskurs, wie festgefahren rassistische Strukturen in der Gesellschaft immer noch sind. Und dass diese Strukturen vor allem aus einem resultieren: Unwissen.

Als Anfang des Jahres der Modekonzern „H&M“ seine neue Kinderkollektion mit einem T- Shirt bewarb, auf dem der Schriftzug „Coolest monkey in the jungle“ zu lesen war, welches von einem schwarzen Kind getragen wurde, stieß diese wahrscheinlich gut kalkulierte Marketingstrategie eine mediale Rassismus-Debatte los. Zwei Ansichten standen sich bei dieser Debatte gegenüber: die einen prangerten den Rassismus an, die anderen unterstellten, dass die ersteren die wahren Rassisten seien.

Ein weiteres Beispiel aus einem anderen kulturellen Feld: Als Shermin Langhoff, eine türkischstämmige Frau, 2013 die Intendanz des Maxim Gorki Theaters in Berlin übernahm und das Schauspielensemble des ehemaligen Volkstheaters der DDR vorwiegend mit Menschen mit Migrationshintergund besetzte, ließ der strukturelle Rassismus nicht lange auf sich warten. Man warf ihr vor, selber rassistisch zu agieren und deutsch-stämmige Schauspieler zu diskriminieren.
Dabei war es längst an der Zeit, die Theaterstrukturen in Deutschland aufzubrechen, zu zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund schon immer ein Teil dieses Land sind und waren, dass es durchaus möglich und im Sinne der realitätsnahen Abbildung der Gesellschaft sogar wünschenswert ist, Romeo mit einem Schwarzen und Julia mit einer Türkin zu besetzen. Der Grundkonflikt von Shakespeares Drama wird dadurch übrigens viel interessanter.

Und auch kurz nach dem Start von „Black Panther“ deuten sich ähnliche Phänomene an. Liest man sich durch die Kommentarspalten in den sozialen Medien oder von bekannteren Filmkritik-Portalen, ist man schockiert. Dort findet man unter anderem Formulierungen wie: „Killmongers "Haupt-Motiv" mit der Befreiung der Schwarzen finde ich allerdings etwas unzeitgemäß. 1992 hätte das den Nerv eher getroffen. Klar hören wir auch heute immer wieder, wie Farbige in Amerika von der Polizei erschossen werden. Aber auf der anderen Seite: Ihr hattet einen farbigen Präsidenten...“

Solchen Aussagen sind schlichtweg anmaßend und falsch. Abgesehen davon, dass Afrika nach wie vor von der westlichen Welt wirtschaftlich ausgebeutet wird, damit ebenjene ihren hohen Lebensstandard halten kann, werden Schwarze in vielen Teilen der Welt noch immer diskriminiert und als mindere Rasse angesehen.

Und ähnlich wie bei der „H&M-Debatte“ brechen die Argumente der oft weißen Internetuser in sich selbst zusammen und deuten auf eine fast schon ignorante Unwissenheit. Diese Unwissenheit erwächst aus dem Privileg der Weißen, keine strukturelle Diskriminierung zu erleben und sie deshalb nicht mal wahrnehmen zu müssen, wenn man das nicht will. Wenn man sich nicht bewusst mit der Gesellschaft beschäftigt, geht man durch seinen Alltag, sucht eine Wohnung, bewirbt sich auf einen Job und ist sich nicht dessen bewusst, dass das für einen oft unkomplizierter ist, weil man weiß ist – man hat es ja schließlich nie anders erlebt, man hält die eigenen Erfahrungen für den allgemein gültigen Normalzustand. Deshalb nimmt man automatisch an, alle Menschen würden solche Dinge ganz genauso erleben wie man selbst, es herrsche im Grunde eine Gleichberechtigung. Wenn man dann von einem Gesetz, einer Initiative o.ä hört, die denen helfen soll, die diskriminiert werden, findet man das als unreflektierter Weißer ungerecht, weil man ja davon ausgeht, es ginge den anderen gar nicht schlechter als einem selbst – und wenn vorher beide Gruppen in seiner Wahrnehmung gleichauf waren und man die Nicht-Weißen jetzt gezielt unterstützt, dann würden die ja letztlich bevorzugt – und das nennt er dann umgekehrten Rassismus. Was ja aber völlig falsch ist, da es von durch die Eigenwahrnehmung verzerrten Ausgangspositionen ausgeht.

Bei „Black Panther“ führt Ryan Coogler Regie, der mit seinem Debütfilm „Nächster Halt: Fruitvale Station“ die letzten 24 Stunden von Oscar Grant III. erzählt, einem Afro- Amerikaner, der in der Silvesternacht 2008/09 von einem weißen Polizisten an der Fruitvale Station in Oakland erschossen wurde.

Während dieser Film auf einer wahren Begebenheit beruht, arbeitet „Black Panther“ in eine ganz andere emanzipatorische Richtung. Der Film spielt eben nicht mit den klassischen afrikanischen Kinoklischees vom bösen Schurkenstaat, sondern präsentiert ein selbstbewusstes Land, das sich mitten im Wandel befindet, und von einem neuen König, dem Black Panther, in die Zukunft geführt werden soll.

Das Ergebnis ist eine Art „Afro-Futurimus“, eine durch die Fusion aus jahrtausendealter afrikanischer Tradition und moderner Popkultur entwickelte Utopie – egal, ob bei den Frisuren, dem Körperschmuck, der Kriegsbemalung oder der Architektur der Häuser, untermalt durch den HipHop-geprägten Soundtrack von Kendrick Lamar als Hauptverantwortlichen.

Das Zusammenspiel aus all den genannten Elementen; die Geschichte, Schauspieler, Regie, Comicfigur, optische und auditive Aufmachung und die Reaktionen in den sozialen Medien machen aus „Black Panther“ die wohl politisch aktuellste und relevanteste Comicverfilmung aus dem Hause Marvel.

Es ist gut, dass es Filme wie „Black Panther“ gibt, gerade in der heutigen Zeit, wo sich die Menschen durch wirtschaftliche Krisen oft von einer rechtspopulistischen Meinung einwickeln lassen. Und somit der strukturelle Rassismus, der nie wirklich aus gesellschaftlichen Konstrukten verschwunden ist, wieder aufkeimt.

Denn wie heißt es so schön am Ende des Films: In Zeiten der Krise schlagen die Weisen Brücken während die Unwissenden Mauern errichten.

Europas Verantwortung (Freie Presse Chemnitz, 10/2017)

Europas Verantwortung

von Johann Christof Laubisch

erschienen: Freie Presse Chemnitz, 10/2017

Unter dem Namen „BSMG“ (Brüder schaffen mehr gemeinsam) haben die beiden Berliner Rapper Megaloh und Musa, zusammen mit dem DJ und Produzenten Ghanaian Stallion das Album „Platz an der Sonne“ aufgenommen.
Ein Gespräch über die Geschichte der Protagonisten, Afrika und den Einfluss der westli- chen Welt auf den Kontinent, Politik im Rap und soziales Engagement.

Euer Album „Platz an der Sonne“ klingt wie ein zeitgenößisches HipHop Album mit starken afrikanischen Einschlag und vielen politischen Statements, vor allem im Bezug auf Afrika. Woher kam die Idee und was war der Leitfaden für diese Platte?

Megaloh: Wir haben das nicht auf lange Sicht geplant sondern es ist natürlich entstanden. Wir kennen uns alle schon lange und haben schon vorher zusammen Musik gemacht. Auf meinem letzten Album „Regenmacher“ war Ghanaian Stallion für alle Beats verantwortlich und Musa war auf den Songs „Wohin“ und „Oyoyo“ als Gast vertreten. Grundsätzlich ha- ben wir alle afrikanische Wurzeln; bei Ghanian Stallion ist es Ghana, bei Musa Sierra Leo- ne und bei mir Nigeria. Natürlich sind wir hier in Deutschland sozialisiert und aufgewach- sen, trotzdem sorgen unsere afrikanischen Wurzeln für Gesprächsstoff. Im Grunde war es ein fließender Übergang von „Regenmacher“ zu „Platz an der Sonne“.

Unsere eigenen Erfahrungen, die wir sowohl in Deutschland als auch in Afrika gesammelt haben, gaben uns den Leitfaden für die Platte. Wir haben aber auch viel Recherche und Aufarbeitung betrieben, versuchten vielschichtig zu denken: wir setzen uns mit der Ge- schichte Afrikas auseinander, sind systemkritisch sowohl gegenüber dem deutschen aber auch dem afrikanischen Verhältnissen.

Ward ihr während der Entstehungsphase in Afrika?
Musa: Ich war zwar nicht wegen des Albums dort, doch habe zu der Zeit meine Familie in

Sierra Leone besucht.

Ghanaian Stallion: Ich war auch in Ghana und dann auch gemeinsam mit Megaloh in Ni- geria und Uganda, wo wir für „Viva Con Agua“ tätig waren und das Video zu „Oyoyo“ ge- dreht haben.

Musa, Sie habe ich das erste Mal auf dem „Regenmacher“ Album von Megaloh ge- hört. Seid wann machen Sie Musik und wie kam es damals zu Ihrer Abschiebung trotz deutscher Staatsbürgerschaft aus Deutschland?

Musa: Ich bin in Deutschland geboren und meine Eltern haben hier studiert und irgend- wann ist ihr Studentenvisum ausgelaufen und wir wurden abgeschoben, da war ich 12 Jahre alt. Als ich zurückgekommen bin, zog ich nach Berlin-Moabit und habe Megaloh und Ghanian Stallion um 2001 über Freestyle-Sessions kennengelernt.

Megaloh: Wobei man sagen muss, dass Musa schon auf meinem ersten Mixtape „Draft Pick“ (2004) drauf war, wo sich unter anderem auch der amerikanische Rapper Kurupt und die Deutschraplegende Kool Savas sich die Ehre gaben.

Habt ihr das Gefühl, dass Menschen mit afrikanischer Herkunft in Deutschland zu wenig repräsentiert werden? Bzw. wird sich mit der afrikanischen Geschichte nicht genug auseinandergesetzt?

Megaloh: Ja! Zum einen zu wenig zum anderen zu einseitig. Es gibt Menschen, die im Grunde deutsch sind aber, auf Grund der Hautfarbe, nicht als solche wahrgenommen werden. Das führt zu diskriminierenden Situationen im Alltag, die wir drei alle kennen und auf Dauer nicht gesund für die eigene Psyche sind.

Auf der anderen Seite gibt es die afrikanische Geschichte und der Umgang durch Europa mit dem afrikanischen Kontinent; die Ausbeutung, die inzwischen 500 Jahre anhält und deren Ausmaße sich bspw. in der Sklaverei zeigen. Diese Ausbeutung gibt es heute immer noch, natürlich in einer wirtschaftlicheren Form, aber die Strukturen sind immer noch die gleichen.

Das ist ein Thema, was sowohl in der Schule als auch in den Medien mehr thematisiert werden müsste.
Gerade von man „Entwicklungshilfe“ spricht, müsste man eigentlich mal in Relation set- zen, was dem afrikanischen Kontinent alles geraubt und kaputt gemacht wird und wodurch natürlich sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge resultieren. Diese Zusammenhänge müssen objektiver und ehrlicher kommuniziert werden.

Ghanaian Stallion: Es gab Länder, die in ihrer Kolonialpolitik deutlich stärker waren als Deutschland, zum Beispiel Frankreich, Spanien und Portugal. Diese Länder setzen sich mehr mit ihrer Kolonialgeschichte auseinander. Hier hat man das Gefühl, dass durch die- ses einschneidende Ereignis des 2.Weltkriegs die Kolonialzeit etwas unter den Teppich gekehrt wird.

Ausserdem haben die genannten Länder durch ihre stärkere Auseinandersetzung eine starke afrikanische Gemeinschaft und die Menschen mit afrikanischer Herkunft sind in der Gesellschaft mehr toleriert, ob Musiker, Anwalt, Künstler oder Musiker.

Hättet Ihr Lösungsansätze damit der afrikanische Kontinent ernst bzw. überhaupt erstmal wahrgenommen wird? Afrika zu europäisieren sollte ja nicht das Ziel sein ....

Musa: Es gibt geschichts- und sozialwissenschaftliche Ansätze, die versuchen die afrika- nische Geschichte aus deren Perspektive zu rekonstruieren. Das könnte man im Ge- schichtsunterricht anwenden. Ausserdem sollten Politiker aufhören mit Begriffen wie „Ent- wicklungsländer“ um sich zu werfen.

Megaloh: Es ist natürlich sehr komplex, um das alles in einem Satz runterzubrechen, aber die wirtschaftliche Ausbeutung Afrikas muss aufhören. Es geht da um von der westlichen Welt auferlegte, subventionierte Freihandelsabkommen und um Plünderungen von Res- sourcen.

Zum Beispiel viele der Rosen, die wir in Deutschland kaufen werden durch schädliche Monokulturen in Kenia gezüchtet. Die Leute dort brauchen zu essen und keine Rosen. Das sind aufgezwungene Deals, die die westliche Welt wenig kosten und sogar noch be- reichern aber den Menschen vor Ort nicht wirklich beim Überleben helfen.

Die bereits vorherrschenden Strukturen und die Ungleichheit der einzelnen Kontinente werden nicht besser in dem man sagt: „Sollen sich die Afrikaner doch selber helfen.“

Es geht hier nicht um eine Schuldzuweisung sondern eher darum, dass Europa sich der Verantwortung gegenüber Afrika bewusst wird.
Es muss eine Art „Empowerment“ stattfinden, das natürlich von Afrika ausgehen muss, aber mit Unterstützung vom Rest der Welt.

Ghanaian Stallion: Aber die Strukturen sind inzwischen so festgefahren, da lässt sich die Frage wirklich nicht so leicht beantworten.
Die westliche Welt basiert halt drauf, dass dadurch, das es uns gut geht, es anderen Men- schen auf der Welt schlecht geht. Das nennt man dann Kapitalismus. Langsam werden sich die Menschen bewusst, dass dieser Wohlstandswachstum auch eine Ende hat und suchen nach Alternativen.

Ihr habt Euch auch sozial in Afrika engagiert und zwar gemeinsam mit dem „Viva Con Agua“ Projekt. Erzählt doch ein bisschen über dieses Projekt?

Ghanian Stallion: Viva Con agua ist ein Projekt, dass sich auf der ganzen Welt für saube- res Trinkwasser einsetzt.
Die Organisatoren haben uns gefragt, ob wir mit Hilfe der Musik dem Ganzen eine Stimme verleihen wollen (ähnlich wie andere Rapper ua. Marteria, die Orsons, Marvin Game, Max Herre uvm.). Dann sind wir nach Uganda gefahren und haben vor Ort Workshops ge- macht, Songs mit lokalen Künstlern produziert.

Gibt es afrikanische Rapper bzw. Musiker, den ihr den Leuten ans Herz legen könnt?

Ghanian Stallion: Boah, die Liste ist sehr lang. Ein Rapper, der als einer der besten zur zeit gehandelt wird ist „Sarkodie“, der kommt auch aus Ghana. Aber da geht zur Zeit rich- tig viel, die können auf internationaler Ebene locker mithalten.

Findet Ihr, dass im HipHop in den letzten Jahren die politische Botschaft etwas ver- loren geht?

Megaloh: Es ist ja auch ein politisches Statement, kein politisches Statement zu machen. Rap geht halt durch eine Entwicklung. Für mich war Rap immer ein Sprachrohr der Jugend und der Unterdrückten. Dennoch hat Rap viele Facetten und ist natürlich bis zu einem ge- wissen Punkt durch die Wirtschaft geprägt. Wir könnten nicht nur oberflächlich über Life- style und Produkte reden, aber wir verurteilen auch niemanden, der es tut. Rap ist vielsei- tig.

Haben Sie, Megaloh, inzwischen Ihren Stand in der hiesigen HipHop Szene gefun- den? Können Sie inzwischen von der Musik leben oder gehen Sie immer noch ne- benbei als Lagerarbeiter Kisten schleppen?

Man kommt immer mehr mit sich selber ins Reine, umso mehr man sich im therapeuti- schen Sinne mit der eigenen Musik auseinandersetzt? Im Lager gehe ich nicht mehr arbei- ten, aber die Arbeit ist nicht weniger geworden und natürlich muss ich nach wie vor Geld erwirtschaften. Wir sind gesegnet Musik machen zu können. Man muss halt hart für seine Träume arbeiten

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Album!

Das Album von BSMS „Platz an der Sonne“ erscheint am 22.09.2017 über Nesola / Universal Music

Hin zur Sonne (Freie Presse Chemnitz, 08/2017)

Hin zur Sonne

von Johann Christof Laubisch
erschienen: Freie Presse Chemnitz, 08/2017

Der türkischstämmige Sänger BRKN, ausgesprochen „Berkan“, abgeleitet von seinem bürgerlichen Namen Andac Berkan Akbiyik bringt sein zweites Studioalbum „Einzimmervilla“ über das Label „BESTE“ auf den Markt.

Musikalisch bewegt sich das Ganze zwischen Soul, Funk, Rap und Jazz. Ein Gespräch mit dem sympathischen Kreuzberger über musikalisches Schubladendenken, Gentrifizierung, die Probleme in der Türkei und über die Ziele eines talentierten und motivierten jungen Mannes.

Frage: Der französischer Rapper „La Fouine“, der ähnlich wie du Gesang mit Rap verbindet,hat mal gesagt, dass er auf der Straße mit seinen Jungs HipHop und zu Hause bei seinen Eltern französische Chansons und arabische Musik gehört hat. War das bei dir ähnlich?

Zu einem gewissen Grad schon: meine Mutter hat immer türkische Musik gehört und ich hab in meiner Jugend generell mit meinen Jungs nur HipHop gehört, den mir mein älterer Bruder gezeigt hat, zum Beispiel Wu Tang Clan, Busta Rhymes, Nas.
Wenn ich alleine im Auto unterwegs bin, höre ich auch gerne eine Jazz- oder Merengue Platte. Ich bin selber zum Soul und Jazz durch HipHop gekommen. Hab auch in einer Jazz Band in der Schule gespielt und Saxophon Unterricht bekommen

Frage: Aber du zeigst deinen Eltern deine Musik?

Das brauche ich garnicht. Die bekommen schon mit wenn beispielsweise ein neues Video online kommt. Und ich verschenke auch CD‘s an die ganze Familie, es sei denn sie haben sich das Album schon selber bestellt.

Du schreibst und produzierst deine Musik selber. Wer hat an der neuen Platte mitgearbeitet?

Ich habe alles alleine produziert und spiele ganz gut Klavier. Bei den anderen Instrumenten, die man auf der Platte hört, haben mir Freunde geholfen, beispielsweise bei der Gitarre und der Trompete.
Ich hatte ursprünglich vor mit anderen Produzenten zu arbeiten, aber dann kam ich während des Entstehungsprozesses mit dem einspielten Team so gut voran, dass sich das nicht mehr ergeben hat. Ich freue mich sehr über das Ergebnis aber das nächste Mal möchte ich doch etwas mehr Abwechslung reinbringen.

Frage: Was ist in der Zeit zwischen deinem Debüt „Kauft meine Liebe“ vom letzten Jahr und heute alles passiert? Was waren die schönsten Momente?

Letztes Jahr war für mich eine Achterbahnfahrt. Parallel zum Release des ersten Albums „Kauft meine Liebe“ war ich auf meiner ersten eigenen Tour. Teilweise in sehr kleinen Locations, was schön war, denn du wusstest, dass die Leute kommen nur wegen dir gekommen sind. Im Sommer haben wir ein paar Festivals gespielt. Die zweite Hälfte des Jahres hatte ich einige Wohnungsprobleme und kam kaum zum arbeiten. Erst Anfang 2017 ging die Produktion vom aktuellen Album weiter. Jetzt ist langsam wieder eine Zeit, wo man sieht, wofür man gearbeitet hat. Das Album steht in den Startlöchern, Videos kommen raus und die ersten Feedbacks erreichen mich.

Frage: Du hast grad von Wohnungsproblemen gesprochen. Du kommst aus Berlin- Kreuzberg. Hast du mitbekommen wie sich die Stadt und somit auch dein Bezirk in den letzten Jahren verändert hat? Und was bringt das für dein Umfeld mit sich?

Man muss schon blind sein, um das nicht mitzubekommen. Ich muss sagen, das ist eine sehr emotionale Sache für mich, weil mein Bezirk nicht mehr viel mit dem Ort zu tun hat, an dem ich großgeworden bin. Es ist einfach verdammt schwierig geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden denn alles wird teurer.

Es gibt bei dieser Gentrifizierungsdebatte positive und negative Aspekte. Zwar ist die Gewalt zurückgegangen, aber die sogenannten „Problemviertel“ und somit auch die Gewalt wurde, dadurch, dass die sozial-schwachen Menschen vertrieben werden, einfach nur in andere Bezirke verlegt.

Ein vielleicht wirklich positiver Aspekt ist, dass wir jetzt einen „Just Music Laden“ am Moritzplatz in Kreuzberg haben.

Du hast Architektur studiert. Arbeitest du neben der Musik als Architekt? Ist das, wenn es mit der Musik nicht klappen sollte, so etwas wie ein Plan B?

Ich habe einen Nebenjob in einem Büro, das allerdings nicht mit Architektur zu tun hat. Nach meinem Bachelor-Abschluss habe ich gemerkt, dass ich zu wenig Leidenschaft für die Architektur übrig habe.
Einen Plan B gibt es derzeit nicht: ich gebe mein ganze Energie für die Musik und mein Team und ich geben 1000 Prozent, dass es auch klappen wird.

Du machst viele Projekte mit anderen Rappern. Gibt es jemanden mit dem du dir ein gemeinsames Projekt vorstellen könntest?

Daran habe ich ehrlich gesagt noch nie gedacht. Wenn ich etwas in die Richtung machen würde, dann mit jemanden, der auch gesanglich talentiert ist. Da denke ich direkt an Bausa, wobei ich nicht weiß, ob das so sinnvoll wäre. Obwohl BRKN und BAUSA schon cool klingt (lacht).

Man müsste mit anderen Künstlern rausfinden, ob das harmoniert und gut zusammenpassen würde.

Frage: Gibt es denn außerhalb des deutschen Rap-Genres einen Musiker, mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest?

Ich habe mittlerweile eine Liste in meinem Telefon mit Leuten, mit denen ich gerne Musik machen würde. Die werde ich demnächst mal ein bisschen abarbeiten. Es gibt also einige Leute, bin aber jemand, der glaubt, dass wenn man so etwas öffentlich äußert, eine Zusammenarbeit meist nicht zustande kommt.

Frage: Was ist dein derzeit größter Traum bzw. dein Ziel?

Mein Ziel ist es erstmal von meiner Musik zu leben. Ich würde gerne meinen Eltern was zurück geben, bspw. meinem Vater ein Auto kaufen, meinen Kumpels einen Urlaub ausgeben, meiner Verlobten eine schöne Wohnung kaufen. Aber ich arbeite das nicht systematisch ab. Ein Zitat, was mich derzeit begleitet ist „"I don't have dreams, I have goals. Now, it's on to the next one." (Ich habe keine Träume, ich habe Ziele. Und in diesem Moment fokussiere ich mich schon auf das nächste) aus der amerikanischen Serie „Suits“.

Klar klingen meine Ziele jetzt noch unrealistisch, wo ich gerade so über die Runden komme, aber es ist ja nicht das das völlig unmöglich ist. Man muss nur hart genug dafür arbeiten.

Frage: Kommst du noch zu etwas anderem außer der Musik und Arbeit?

Außer bisschen Playstation spielen und die ein oder andere Serie auf Netflix gucken. Allerdings fange ich an, mich zur Zeit für illustratorische Sachen zb. Schriftdesign zu interessieren und habe von ein paar Kumpels ein Grafikpad zum Geburtstag bekommen, da kritzel ich ab und zu drauf rum. Aber neben Musik, Arbeit und Freunden habe ich kaum Zeit für Hobbys. Keine Ahnung, was macht man sonst so?

Frage: Viele Rapper und Musiker haben zum Beispiel das reisen für sich entdeckt ....

Wenn ich so viele Platten wie mein Kollege Marteria verkaufen würde, der ja gerne reist, würde ich dasselbe machen. Lege ich auch jeden ans Herz. Ich will demnächst auch wieder Urlaub machen, vielleicht bei Verwandten in der Türkei

Frage: Verfolgst du als türkisch-armenisch-kurdischer stämmiger Berliner die Ereignisse in der Türkei?

In letzter Zeit verfolge ich leider wenige Sachen wirklich intensiv. Das ist ein schwieriges und gleichzeitig abendfüllendes Thema. Ich sage immer: man sollte versuchen sich seine eigene Meinung zu bilden, in dem man sich mit beiden Seiten auseinander setzt und sich nicht blindlings auf eine Seite schlagen.

Als Anfang des Jahres der Putschversuch war, haben wir alle Verwandten angerufen und gefragt, ob es ihnen gut geht.
Ich habe einiges nachzuholen, zur Zeit habe ich mit der Albumpromo soviel um die Ohren, dass ich es gerade mal schaffe, mich darüber zu informieren, was so in Berlin abgeht.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit deinem Album.

Spinnefeind? (Freie Presse Chemnitz, 08/2017)

Spinnefeind?

von Johann Christof Laubisch
erschienen: Freie Presse Chemnitz, 08/2017

Ab dem 13.7 geben die Marvel Studios und Sony unter der Regie von Jon Watts dem wohl jugendlichsten und sympathischsten Superhelden mit „Spiderman - Homecoming“ ein erstes Soloabenteuer. Neben der hochkarätigen Besetzung und der gut erzählten Geschichten des jungen Peter Parker, so Spiderman‘s bürgerlicher Name, glänzt der Film vor allem durch die Leistungen des Hauptdarstellers und dessen Spielfreude.

Nehmen wir eins vorweg: Wenn man nicht ein absoluter Comic-Purist ist und die Art und
Weise mag, wie Marvel seine Figuren filmisch erzählt und etabliert, dann findet der Zuschauer in „Spiderman - Homecoming“ nicht nur den bisher erfrischendsten sondern vielleicht sogar besten Spiderman.

Der noch recht junge und nur scheinbar unerfahrene Regisseur Jon Watts (letzter Film „Cop Car“ aus dem Jahr 2015) gibt Spiderman einen frischen Anstrich, verzichtet jedoch nicht auf gewisse stilistische Elemente, die typisch für das „Marvel Cinematic Universe“ sind.
Zum Beispiel machen sich die Dialogformen aus anderen Marvel Filmen bezahlt, und so führen die Figuren den Zuschauer durch komische Momente bis hin zum hochdramatischen Showdown.

Die Geschichte knüpft kurz an „Captain America - Civil War“ ; der 15 jährige Peter Parker muss nach seinem kurzen Ausflug mit den Avengers wieder zurück nach New York zu seiner Tante May (Marisa Tomei) und die Schulbank drücken. Anstatt seinem großen Wunsch, nun endlich ein Mitglied der Avengers zu sein, bekommt er von Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) lediglich einen neuen Anzug geschenkt und muss sich zunächst mit einfachen Kleinkriminellen in seiner Nachbarschaft rumschlagen.

Anders als bei den Vorgängern „Spider Man“ (2002) und „The Amazing Spiderman“ (2012) wird hier auf eine Ursprungsgeschichte verzichtet, in der Peter Parker von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, was aber nicht dazu führt, dass die Handlungsabsichten und Herkunft der Figur auf der Strecke bleiben.

Dennoch kommt man nicht umhin, den inzwischen dritten Spiderman in 15 Jahren mit seinen Kollegen Andrew Garfield zu vergleichen, der versuchte, die Rolle in zwei völlig überladenen Filmen zum glänzen zu bringen, und Tobey Maguire, dem oft das Frische und Freche der Rolle fehlte.

Der 21jährige Brite Tom Holland, dem man deutlich anmerkt, dass er vor seiner Filmkarriere einiges an Bühnenerfahrung gesammelt hat, bringt dennoch eine solche Frische mit, dass man ihm den im Film 15jährigen Peter Parker voll abkauft.

Er bringt die richtige Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit für die Rolle mit, gepaart mit einer schier unbändigen Spielfreude - das macht sich nicht nur in den lustigen Szenen mit Tony Stark oder seinem Nerd-Kumpel Ned (Jacob Batalon) bezahlt, sondern auch in den Partnerszenen mit seinen Gegenspielern.

Eines Abends stellt Spidey eine Gruppe Bankräuber, die mit aufgemotzten Waffen um sich ballern und den jugendlichen Superhelden auf die Fährte seines Antagonisten Adrian Toomes/Vulture (Michael Keaton) führt. Toomes, der sich, im wahrsten Sinne des Wortes, darum kümmerte,
den Müll der Avengers-Schlachten wegzuräumen, wurde kurzer Hand von Tony Stark gefeuert und verbringt sein Dasein damit, mit ausserirdischen Waffen herumzuexperimentieren. Was recht banal für die Beweggründe des Schurken klingt, ist zum einen durch Keaton‘s hervorragende schauspielerische Leistung, zum anderen durch geschickte Referenzen an die aktuelle amerikanische Politik alles andere als abgedroschen und fantasielos.

In dieser Figur spiegelt sich auf sehr subtile Art und Weise die von Donald Trump ausgerufene Auflehnung des „kleinen Mannes“ gegen die Eliten wider. Damit wird Vulture zum erschreckend sympathischen, ja fast menschlichen Gegenspieler. Eine Eigenschaft, die ihn noch gefährlicher macht.

Auch die manchmal verzwickten Referenzen zu den anderen Marvel bzw. Avengers Filmen fallen in diesem Film einfach und gut gesetzt aus. So werden zum Beispiel in der Highschool von Peter Parker Motivationsvideos von Captain America gezeigt, wobei dieser eigentlich, nach „Civil War“, als Staatsfeind gilt. Auch Tony Stark/ Iron Man klaut Spiderman keines Falls die Show sowie von vielen Fans durch die auf Robert Downey Junior‘s Facebook Profils veröffentlichten Anspielungen in Form von amüsanten Videos und Bildern, die vermuten ließen Film könne auch als Iron Man Solofilm durchgehen.

Alles in allem haben die Marvel Studios mit „Spiderman - Homecoming“ eine wunderbare Startrampe für einen sympathischen, lustigen, talentierten und vielseitigen Peter Parker/Spiderman mit einer neu interpretierten Ursprungsgeschichte und dem vielleicht gelungensten Schurken seit Loki gebaut, und man müsste schon sehr puristisch ins Kino gehen, um ihn nicht zu mögen.

Der Trümmerkönig (Freie Presse Chemnitz, 07/2017)

Der Trümmerkönig

von Johann Christof Laubisch
erschienen: Freie Presse Chemnitz, 07/2017

Der „Trümmerkönig“ Liquit Walker veröffentlicht mit dem gleichnamigen Album sein zweites aber vermeidlich wichtigstes Studioalbum, denn er steht nicht zum ersten Mal vor den Überresten seines Lebenswerks.

Warum es fast unmöglich ist den Rapper Liquit Walker und die Privatperson Mike Busse von einander zu trennen und warum diese Scherben nicht nur seine letzte sondern auch einzige (Wieder)Geburt sein könnten, beschreibt ein Weggefährte.

Ich lernte Liquit Walker nach einer HipHop Jam in Berlin im Jahr 2008 kennen. Wir trafen uns an der Ecke Gärtnerstraße / Boxhagener Straße in Berlin Friedrichshain, um eine Streitigkeit unter Rappern zu klären und stellten dabei fest, dass wir im Nachbarn waren und uns ganz sympathisch waren.

Wir wurden gute Freunde, verbrachten fast jeden Tag miteinander; ob man abhing, DVD’s guckte, XBox zockte oder das damals noch neu eröffneten „Burgeramt“ am Boxhagener Platz oder die „Currybox“ in der Boxhagener Straße besuchte, diverse HipHop Events in Berlin unsicher machte, oder Zeit im Studio verbrachte.

„Und vielleicht sind wir verlorene Jungs, denn diese Welt blickt so verachtend von oben auf uns.“

Es war die erste „Goldene Ära“ des Berliner Rap’s: Aggro Berlin, Deutschraps erstes unabhängiges HipHop Label, Bushido, Kool Savas und andere Rapper hatten ihren Durchbruch: der Berliner Untergrund schepperte laut und dreckig durch die Republik wie eine durch den Tunnel rasende U-Bahn.

2008 kam der „Berlin Skillz 2“ HipHop Sampler raus, auf dem sowohl ich als auch Liquit mit einem Song vertreten waren. „Hör’ auf diese Stimme“ hieß sein Beitrag. Bereits zu dieser Zeit hatte er mit seinem Underdog-Image zu kämpfen: Straßenrap von Migranten-Gangs war gerade das erste Mal in Deutschland schwer angesagt und ließ wenig Platz für einen einzelnen deutschen, zumal aus Ostberlin stammenden Jungen mit dem Herz auf der Zunge.

„Ich bin allen Ernstes bisschen müde grade /
Es kommt drauf an, wie lang ich noch dieses Gefühl ertrage / Zwischen Raptalent und letztes Hemd /
Berlin 2005 - ich war Freestyle-Battle Champ!“

Trotzdem fand Liquit seine Nische und Fanbase, wurde recht oft gebucht und ich als sein Back-Up Rapper war immer mit dabei: die legendäre MyFest HipHop Bühne in Kreuzberg oder Auswährtstouren nach Paderborn, Saarbrücken oder Mönchengladbach. Trotz seiner Einzelgängermentalität lernte Liquit in kurzer Zeit einen großen Teil der deutschen HipHop Szene kennen und so sollte 2009 sein Debütalbum, komplett von Woroc produziert, der später Szenegrößen wie Farid Bang, Kollegah und Massiv auf ihrem Weg begleiten sollte, über Mellowvibes-Records erscheinen.

Liquit ist sich seines Talents und seinem individuellen, direkten und wortgewaltigen Stil bewusst. Doch nicht auf eine arrogante und dadurch auf andere Künstler herabschauende Art und Weise, die heute sowie damals im Deutschrap ein prägendes Stilmittel geworden ist.

Beleidigungen und plumpe, provokative Sprüche sind Mike fremd: jede Zeile, jedes Wort, jede Betonung ist durchdacht.
Es gibt, und das müssen selbst die größten Kritiker zugegeben, keinen schlechten Song oder Part vom gebürtigen Friedrichshainer. Und das in einem Geschäft, in dem die Schnelllebigkeit Alltag geworden ist, in dem Quantität oft über Qulaität geht. Liquit ist durch und durch Künstler, er kann sich keine Welten ausdenken, in denen er als Rapper agiert, sondern wird nur durch Konfrontation der harten Realität zu dem, was er dann auf Songs repräsentiert 100 % er selber. Und was viele gestandene Rapper nur behaupten, trifft hier zu: denn zwischen Mike Busse und Liquit Walker steht keine Kunstfigur.

Darum lieben ihn seine Fans, darum hat sich sein Debütalbum „Unter Wölfen“, was dann endlich 2013 über das Frankfurter Label „Freunde von Niemand“ erschien direkt auf Platz 19 der deutschen Albumcharts positioniert, obwohl ihm nach der zweiten „Feuer über Deutschland DVD“, einer Rap-Battle Dokumentation, auf der Liquit zeigte, dass er nicht nur gute Songs schreiben kann sondern seinen Gegner von Angesicht zu Angesicht lyrisch in die Enge treiben konnte, (2009) vorausgesagt wurde, dass wenn er jetzt nicht ein Album rausbringen würde, es nie schaffen würde.

Aber Liquit Walker funktioniert nicht über einen grad angesagten musikalischen Hype oder über einen hohen Output sondern, wenn man es überhaupt „funktionieren“ nennen möchte, dann über qualitativ, gute Rap-Musik. Ich denke, viele seiner Fans haben in ihm eine Identifikationsfigur gefunden, teilen seine Ansichten und Werte und wissen, dass Liquit einer der wenigen „echten“ in dieser Szene ist und warten somit auch geduldig auf neue Musik des Berliners

Jetzt steht nach fast vier Jahren Pause mit einer kurzen Unterbrechung durch die „Mowgli EP“ (2015) sein zweites Studioalbum „ Trümmerkönig“ in den Startlöchern.

Letztes Jahr trat ich nach langer Zeit mal wieder gemeinsam mit Liquit Walker im SO36 in Berlin auf, ein paar Wochen zuvor war ich bei ihm im Studio und durfte damals schon ins größtenteils fertige Album reinhören.

„Weiß nicht viel über Siege doch alles über nach Niederlagen aufzustehen“

Über die Umstände bei „Plattenbau Ost“, „Mellowvibes“ und „Fight 4 Music“ lässt sich zusammenfassend sagen, dass die dortigen Strukturen mit dem Perfektionismus von Liquit nie zusammenpassten, denn Liquit braucht bestimmte Strukturen, in denen er arbeiten kann; ein Studio, ein Team, das sich um alles Administrative kümmert, Menschen, die ihn den Rücken freihalten und er einfach nur Musik produzieren kann. Das hatte er wenig später bei den „Freunden von Niemand“ gefunden.

Auch ist Mike seit seinem Debütalbum als Autor für große, deutsche Pop-, Rock- und Schlagerstars tätig, was ihm die Freiheit gibt, sich weiterhin nicht den Gegebenheiten der Musikindustrie anzupassen.

Nun bringt Liquit Walker am 15.09 im Alleingang im Vertrieb von Sony/BMG seine neue Platte an den Mann.

Wobei er nicht ganz allein in den Startlöchern steht. JUMPA als Produzent, der u.a bekannte Rapper wie Fard und Nazar prägte aber auch im Popbereich seine Finger im Spiel hat. DJ Danetic, Berliner HipHop-Urgestein der ersten Stunde, Hagen Stoll aka Joe Rilla, der heute bekannt ist als Teil der Deutschrockband „Haudegen“ als langer Wegbegleiter und auch einziges Feature auf „Trümmerkönig“, sind wichtige musikalische und zwischenmenschliche Anker für Liquit, denn sie sind seit Jahren an seiner Seite, haben alle Höhen und Tiefen miterlebt und sind als Team nicht zu unterschätzen.

Und es waren wohl mehr Höhen als Tiefen, denn auch wenn Liquit seit dem Release von „Unter Wölfen“ von seiner Musik leben kann, rappt er auf seiner neuen Scheibe, er hätte „nie das Leben gesucht - es hat mich gefunden.“

So thematisiert „Trümmerkönig“ alles, was Liquit in den letzten Jahren die Krebserkrankung seiner Mutter, zerstörte Freundschaften in und außerhalb der Musikindustrie, die Abrechnung mit „falschen Helden“ und im Fazit: die Besinnung auf seine stärkste Waffe: die Musik.

Vielleicht stehen ihm auch seine Prinzipien im Weg, vielleicht sind genau diese Prinzipien der Grund für seinen hart erkämpften Status, vielleicht ist er der letzte Rapper, der sich auch wirklich an diese Prinzipien hält und nicht nach dem Motto lebt: Wein trinken und Wasser predigen - trendresistent eben.

Feuer aus der Vorstadt (Freie Presse Chemnitz, 02/2017)

Feuer aus der Vorstadt

von Johann Christof Laubisch

erschienen: Freie Presse Chemnitz, 02/2017

Seit einigen Wochen herrschen in vielen französischen Vorstädten wieder Unruhen. Der vermeintlich direkte Ursprung war die Misshandlung und Vergewaltigung eines jungen afri- kanisch-stämmigen Franzosen durch die Polizei. Der eigentliche Ursprung liegt in der ge- scheiterten, weil halbherzig angegangenen Integrationspolitik Frankreichs. Schon seit mehreren Jahrzehnten schildern französische Rapper die Umstände in jenen „Banlieues“. Die französische HipHop Kultur gilt als wichtigstes Sprachrohr der hiesigen Jugendlichen.

Der Satz „ Bis hierher lief’s noch ganz gut ....“ ( frz: „Jusqu‘ici tout va bien...“) stammt aus dem Film „La haine“ (zu dt. „Hass“), aus dem Jahre 1995, das Leben in den Banlieues von Frankreich auf eine erschreckend realistische Art wiedergibt. Der Film gilt heute als Klassi- ker.

Erzählt werden 24 Stunden im Leben von den drei Jugendlichen Said, einem Araber, Vinz, einem Juden und des Schwarzen Hubert, die in einem Pariser Banlieue wohnen, in der es zur Zeit des Geschehens nur ein Thema gibt:
die Krawalle zwischen Einwohnern des Viertels und der Polizei in der letzten Nacht. Aus- gelöst wurden diese, nachdem während einer Routinekontrolle der Polizei Abdel, „ein Jun- ge aus ihrem Viertel“, lebensgefährlich verletzt wurde und im Laufe des Filmes seinen Ver- letzungen erliegt.

Eine der berühmtesten Szenen aus dem Film, nicht nur wegen ihrer damals noch unkon- ventionellen Kamerafahrt, ist wenn Dj Cut Killer, einer der berühmtestes HipHop DJ’s aus Frankreich, den Hinterhof mit einem Mash-Up von „Nique la police“ und Edith Piaf’s „Je ne regrette rien“ beschallt.

Was von vielen damals als filmische Utopie empfunden wurde, wobei bereits der Regis- seur Matthieu Kassovitz damals betonte, er wurde durch reale Ereignisse inspiriert, wurde spätestens 2005 Wirklichkeit.
Zu erst nur in einigen Pariser Vorstädten, später aber auch in den „quartiers sensibles“ von Marseille, Toulouse ,Lille, Rouen breiteten sich Unruhen aus, deren Ursprung der Tod ei- nes Jugendlichen waren, der durch die Verfolgung der Polizei getötet wurde.

Allen im Gedächtnis geblieben ist die Reaktion des damaligen Innenministers und späte- ren Präsidenten Nicolas Sarkozy, der betonte man müsse die Vorstädte von „diesem Ka- nackenpack mit einer Kärcher-Maschine säubern“.
Die Reaktionen der Rapper blieben nicht aus. Während sich Kery James in seinem Titel „Je représente“ seine Solidarität untermauert und lediglich feststellt, dass er zu jenen ge- hört, die man mit der Kärcher Maschine wegsäubern will, schlägt die Rapperin Keny Arka- na provokativere Töne an und rappt: „Im Elysee-Palast verstecken sich die größten Unru- hestifter, die man mit einer Kärcher-Maschine wegsäubern muss“.

Booba, Frankreichs erfolgreichster und polarisierendster Rapper gibt dem Satz mit einer Prise Arroganz etwas humoristisch: „Ich bin immer fresh (sauber), weil ich mit der Kärcher- Maschine gereinigt wurde.“
Selbst ironische Töne wurden angeschlagen. Disiz La Peste rappt in seinem Song „In- specteur Disiz“ nicht nur darüber, dass er als Art HipHop-Polizist jenen die nicht die nöti- gen Fähigkeiten haben, die Erlaubnis zu rappen entziehen würde, sondern besetzt die ho- hen politischen Posten ganz einfach mit Rappern.

Heute brennen die Banlieues wieder und die Reaktionen der meisten Politiker lassen dar- auf schließen, dass man sich den wahren Ursprung des Problems annimmt: dem von der FN gepushten „kulturellen Nationalismus“ (Identité française) und den sozialen Folgen der De-Industrialisierung als Konsequenz der Délocalisation der Arbeitsplätze im Zuge der neo-liberalen „Mondialisation“.

Wieder bringt ein Rapper in einem seiner Texte das Problem auf den Punkt. Kery James, französischer Rapper mit haitianischen Wurzeln, aufgewachsen im Pariser Vorort Orly und Mitbegründer der berühmten Rapgruppe „Mafia K’1 Fry“ rappt in seinem Song „Banlieu- sards“: „....für jene, die von einem vereinten Frankeich träumen, denn bis heute leben wir in Parallelgesellschaften, wer will das anzweifeln?“

Denn ein wirklicher Teil Frankreichs waren und sind die Menschen aus den Vorstädten nie wirklich gewesen.

Die Großväter der „banlieusards“ kamen aus dem Maghreb und dem einstigen Franzö- sisch-Afrika, weil sie im „Mutterland“ als billige Arbeitskräfte gebraucht wurden, um Frank- reich nach dem ehrgeizigen Programm de Gaulles zu industrialisieren, Heute werden sie nicht mehr gebraucht, sind überflüssig geworden und gelten nur noch als lästiger sozialer

Müll. Das sind die wahren Ursachen für die brennenden Vorstädte, nicht der „Islamismus“. Für das, was sich in den einstigen „Villes Nouvelles“ und Vorstädten anspielt, hat heute eine Wochenzeitung eine drastische Formulierung gefunden: „Neue Apartheid“. Das Wü- ten der Franzosen in Nord- und Zentralafrika waren blutig, ausbeuterisch und menschen- verachtend. Allein in Algerien starben 1,5 Millionen Algerier, die Verluste der FLN (nationa- le Befreiungsfront) belaufen sich auf ca. 300.000.

Rim’K, ebenfalls Gründungsmitglied der Mafia K’1 Fry, wuchs als Sohn algerischer Eltern in Vitry-sur-Seine auf, legt in seinem Raps seit Beginn seiner Karriere vor allem von den Einflüssen algerischer und arabischer Musik den Schwerpunkt, sowohl wie auf die Tradi- tionen der arabischen Kultur, die er, auch als französischer Staatsbürger stets in seinem Herzen trägt.

„Die Traditionen sind in meinem Kopf und meinem Herz verankert. Die Spuren seines „Bleds“ (umgangssprachlich für arabischsprachiges Herkunftsland von Immigranten in Frankreich) haben ihm zu dem gemacht, was er heute ist.“ beschreibt Abdelkarim Brahmi- Benalla, wie Rim’K bürgerlich heißt in seinem Song „Rachid System“

"Les traditions ancrées

Die damit verbundene Integration der Einwanderer, von denen eine Mehrheit die französi- sche Staatsbürgerschaft hat, ist dem französischen Staat über die Dekaden unvollständig bis garnicht gelungen.
Soziologen warnten schon länger vor einer Eskalation, da die Vorstädte seit etwa 20 Jah- ren politisch vernachlässigt worden seien. Die Jugendlichen selbst hatten zuvor wiederholt versucht friedlich auf ihre Situation aufmerksam zu machen, wie z. B. durch den „marche des Beurs“, doch die erhofften Reaktionen blieben aus.

Das jedoch wichtigste Sprachrohr der Jugendlichen, war und ist seit Beginn der 90er Jah- re: Rapmusik.
Während die ersten Gehversuche im deutschen HipHop eher unterhaltend daherkommen und ihren Ursprung in der Mittelschicht fanden, wie die Fantastischen Vier und Fettes Brot, war der Rap aus Frankreich schon immer vor allem eins: politisch motiviert und gegen das Establishement.

Und das liegt primär daran, dass die französischen Jugendlichen aus den Vorstädten durch deren Vernachlässigung und offene Diskrimierung gar keine andere Wahl haben, als durch Rap Musik politische Statements zu setzen.

Und auch wenn es seit Generationen klar politische Rapper in Frankreich gibt, sowie zu Beginn NTM und IAM, später dann Kery James, Youssoupha oder Médine, setzen selbst jene Rapper, die eigentlich nur durch sogenanntes „Ego-Trippin’“ auffallen, klare politische Statements.

In seinem Song „Boss du Rap Game“, in dem Booba nicht viel mehr tut als aufzuzählen, wieviel Geld, Frauen und Autos er besitzt und dass es besser ist, sich nicht mit ihm anle- gen, zeigt die Zeile
„Mal représentés renoi, j’dois hausser la voix“ („Ich werde nicht wahrgenommen, also

muss ich eine Stimme erheben“), dass er trotz Erfolg und Geld nicht vergessen hat, wo er herkommt.
Booba, in der Rap-Szene sehr umstritten, hat Frankreich übrigens den Rücken gekehrt und wohnt jetzt in Miami, weil er laut eigener Aussage, dort mehr für seine Hautfarbe re- spektiert wird, als in Frankreich.

Einsparungen und Sozialabbau vor allem auf kommunaler Ebene verschärften die Situati- on. Die bestehende Frustration wurde neben ethnischen und religiösen Spannungen durch das Gefühl verstärkt, politisch ignoriert und lediglich durch die Polizei ruhig gestellt und schikaniert zu werden. Ein Teilnehmer der Ausschreitungen sagte: „Die Menschen vereinen sich, um zu sagen, dass wir genug haben. Wir leben in Ghettos. Jeder lebt in Angst.“ Der Soziologe Michel Wieviorka deutete in Medien die Ereignisse als Revolte ge- gen die Ordnung, die Jugendlichen griffen Symbole des Staates an. Die Integration habe versagt, die Einwohner fühlten sich von der Gesellschaft ausgeschlossen und perspektiv- los.

Nach den aktuellen Ausschreitungen meldete sich der Rapper Sefyu, der selber aus Aul- nay-Sous-Bois stammt und neben der Musik als Sozialarbeiter tätig ist über facebook zu Wort:

„An die Damen und Herren aus der Politik und den Medien, was habt ihr nun vor? Wäh- rend der nächsten Wochen die Berichte über Bestrafungen der betroffenen Polizisten er- höhen bevor ihr wie durch Zauberkraft wieder über Themen sprecht, die euch mehr am Herzen liegen, wie der Islam oder Terrorismus?“

Bereits in seinem Song „Le journal“ aus seinem bekanntesten Album „Suis-je le gardien de mon frère?“ (dt: Bin ich der Hüter meines kleinen Bruders?)
findet Sefyu klare Worte für die französische Einwanderungspolitik:

„... die Migrationswelle der 60er Jahre hat die französische Wirtschaft vorangebracht, heu- te werden wir beleidigt und beschimpft. Der Rassismus existiert auch in den Vorstädten, auch unter Marokkanern, Algeriern, Maliern und Senegalesen.“

Was übrigens auch ein Argument ist, das gerne von Rechtspopulisten benutzt wird: „Wie sollen die sich integrieren, wenn sie sich untereinander abschlacten und hassen?“

Das es völlig irrelevant ist, welcher Hautfarbe, Nationalität oder Religion jene Menschen haben, die auf kleinsten Raum zusammengepfercht werden und unter minderen Umstän- den leben, wird auch immer wieder von Rappern aufgegriffen wird.
Youssoupha ruft in seinem Song „L’enfer c’est les autres“ (dt: Der Teufel/die Hölle sind immer die anderen) zu Solidarität zwischen den verschiedenen Nationalitäten auf. „Wir haben Ghettos in unseren Köpfen, die uns einsam machen. Wie soll man die Welt verän- dern, wenn man sich solidarisch denkt? Man macht Fehler doch zeigt mit dem Finger auf die anderen und sagt sich: die Hölle sind die anderen.“

Es scheint eben ein nicht enden wollender Teufelskreis: das schlechte Image der Vorstäd- te wird benutzt, um beispielsweise mutmaßliche Terroristen in ihr soziales Umfeld einzu- ordnen, sämtliche Bürger und vor allem die Jugendlichen leiden darunter, finden keine Ar- beit und fühlen sich ausgegrenzt.

Mohamed Mechmache, Gründer und Triebkraft des Kollektivs „AC Le Feu“ (zu dt. „Schluss mit dem Feuer), welches sich nach den Aufständen von 2005 zum Ziel gemacht den Dia- log zwischen den Bewohnern der Vorstadt Aulnay-Sous-Bois und den staatlichen Institu- tionen zu fördern, betont in einem Interview:

"Wir haben die Schnauze voll: Seit 30 Jahren entscheiden die Politiker über unsere Köpfe hinweg, was in den Siedlungen passiert. Wir wollen
endlich mit am Tisch sitzen, wenn Reformen für unsere Viertel beschlossen werden. Wenn die dann Erfolg haben, umso besser. Wenn nicht, tragen wir Verantwortung und müssen herausfinden, warum. Aber es ist zu einfach, uns Vorwürfe zu machen, obwohl wir die Stadtpolitik nie beeinflusst, sondern immer nur ihre Folgen ausgebadet haben."

Laut dem letzen Bericht der Nationalen Beobachtungsstelle kritischer Stadtteile (Rapport ONZUS 2011) war die Arbeitslosenquote in den von der Politik als Problemgebiete ausge- wiesenen Vierteln (Zones urbaines sensibles - ZUS) im Jahr 2010 mit 20,9 Prozent dop- pelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquo- te lag im selben Jahr bei 41,7 Prozent (23,2 Prozent im nationalen Durchschnitt). Ein Drit- tel der Bevölkerung lebte 2009 unter der Armutsgrenze und auch das Bildungsniveau liegt deutlich unter dem nationalen Level. 53 Prozent der beschäftigten Jugendlichen besaßen im Jahr 2010 nur den niedrigsten Schulabschluss.

Wie verwunderlich ist es, dass eine Verstärkung der Polizeikräfte sowie Sarkozys Pro- gramm mit dem pathetischen Titel „Espoir Banlieue“ nicht zu einer Entstigmatisierung bei- tragen.
Und auch FN Spitzenkandidatin Marine LePen‘s Programm mit dem absurden Namen „Banlieues patriotes“ , trägt inhaltlich mehr dazu bei, dass die Dämonisierung der Vorstäd- te, vor allem als Geburtststätte des Terrorismus, voranschreitet als sich ernsthaft der so- zialen Probleme anzunehmen.

Die Rechte tut so, als erwachse aus der Geschichte der Vorstädte weder Gegenwart noch Verantwortung. Sie imaginiert Frankreich als ein homogenes, weißes, katholisches Land, das seine Ruhe haben will und in dem außerdem Männer Frauen lieben und
niemanden sonst.

So forderte der unabhängige Präsidentschaftsanwärter Emmanuel Macron „Null-Toleranz“ gegenüber Straftätern. Polizei und Gendarmerie müssten zudem zusammen 10.000 neue Stellen bekommen. Der 39-Jährige plädierte dafür, Polizisten mehr Kompetenzen einzu- räumen. „Ich wünschte, dass Polizisten unter der Kontrolle eines Richters einer Person unverzüglich verbieten können, in den Bereich zu kommen, wo sie ihre Verbrechen be- geht.“ Zusätzlich tritt er auch dafür ein, 15.000 zusätzliche Gefängnisplätze zu schaffen.

Das dies nicht dazu beitragen würde, die Situation in den Vorstädten zu entschärfen, be- tonten bereits 1993 die Pioniere des französischen HipHops die Gruppe „NTM“ in ihrem Song „La Police“.

„Ihren Ausweis bitte, allgemeine Personenkontrolle“ ist die klassische Vorgehensweise in den Vorstädten geworden. Aber scheinbar nur hier denn die Polizisten missbrauchen ihre Macht und das ist der Grund, warum die Menschen hier unter Spannung leben.“

Ähnlich wie in den vorangegangenen Präsidentschaftswahlkämpfen geht es keinem der Kandidaten darum längerfristige Lösungen für die Situation der Vorstädte zu finden, son- dern durch wählerstimmen-heischende Forderungen wie Verstärkung des Polizeiappa- rats, Sozialhilfenkürzungen und aktive Terrorbekämpfung. Dass jeder zweite Polizist in Frankreich bekundet freimütig, FN zu wählen, scheint bei all der Problematik grotesk.

Meiner Meinung nach ist in keinem Land in Europas die gesellschaftliche Spaltung so weit vorangeschritten ist wie in Frankreich.

Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen, zwischen Kreuzberg, Tiergarten, Köpenick und Schöneberg. Durch ein Umfeld, was multikulturell stark geprägt ist und durch die Hip- Hop Kultur, deren Urgedanke doch eigentlich ist: „Es ist egal, wo du herkommst, wichtig ist, was du draufhast, war ich bei meinen ersten Frankreichbesuchen regelrecht geschockt wie sehr diese gesellschaftliche Spaltung bereits in den frühen 2000er vorangeschritten war.

In meinen Songs, in denen ich viel in französischer Sprache gerappt habe, war es mir im- mer wichtig zu betonen, dass ich eben nicht aus Frankreich komme, aus keiner Vorstadt, dass ich zwar eine absolute Solidarität für jene Menschen empfinde, die so stark vom „System“ ausgeschlossen werden, aber es für vermessen halte, zu behaupten, wir hätten hier in Deutschland die gleichen „Ghettos“ und die gleiche gesellschaftliche Spaltung. Was nicht heißt, dass es in Deutschland nicht die Tendenz dazu gibt, es liegt an uns, es nicht so weit kommen zu lassen, wie in Frankreich.

In meinem Song „Shalom, Salam, Salut“ rappe ich genau über dieses Phänomen, warne allerdings auch davor, Religionen mit Vorurteilen zu belasten und sich nicht korrekt über sie zu informieren.

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, die einstige Losung der französischen Revolution ist nur noch ein verblassender Schriftzug einer Republik, wo sich immer größere Schichten vom „Rechtspopulismus“ angezogen fühlen“
Der komplette Satz aus dem Film „La Haine“ lautet übrigens:

„Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von ’nem Hochhaus fällt. Während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut...‘. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!“

Über den Autor: Johann-Christof Laubisch studierte nach dem Abitur am „Lycée francais de Berlin“ einige Semester Frankreichstudien, bevor er ein Schauspielstudium an der Theaterakademie Vor- pommern absolvierte. Heute ist er Schauspieler am Mittelsächsischen Theater und geht unter dem Pseudonym „Le First“ seiner zweiten Leidenschaft nach: deutsch-französischen Rap

Shalom, Salam, Salut! (Francophonie /RFI, 09/2013A)

„Shalom, Salam, Salut!“

le multiculturisme vu d‘un jeune rappeur franco-allemand

par Johann-Christof Laubisch aka Le First

erschienen: „Francophonie /RFI“ 09/2013A

Il ne sont pas nombreux, les rappeurs d‘origine allemande qui riment dans une autre langue, même que beaucoup sont d‘origine multiculturelle. Avec une mère allemande et un père francais, je suis né avec le multiculturisme dans le sang.
Je m‘appèle Johann-Christof Laubisch, surnommé „Le First“, rappeur et comédien franco-allemand d‘origine berlinoise.

„J‘ai des amis italiens, polonais ou africains, toujours entre russes, israelis et palestiniens/ Respect ce qui définit toute religion/ Peu importe d‘où tu viens si tu te comportes comme un homme/ Je te passe le salam, mon frère ma soeur ...“ est l‘extrait de mon titre „Shalom, Salam, Salut“, un des morceau importants de mon premier album „Le produit de Berlin“

C‘est peut-être le rappeur le moin politique entre les rappeurs francais qui m‘a poussé à faire un morceau sur mes origines, mon entourage et ma ville de naissance Berlin.
Dans son morceau „Rats des villes“ qui tourne surtout autour de l‘égotripe, Booba prononce une phrase simple qui décrit toute une philosophie et un mode de vie: „on dit bonjour à tout le monde, shalom, salam, salut“.

À savoir que Booba est le fils d‘une mère francaise et d‘un père sénégalais, les médias sont des fois superficiel en accusant les rappeurs d‘origine d‘un pays islamique d‘anti-semitisme.

Pendant les années soixante-dix, le mouvement du hip-hop est devenu un style populaire de la musique urbaine. En particulier, le rap était une forme d’expression de l’injustice sociale des Noirs- Américains. Pendant les années quatre-vingt, le rap a développé un style populaire et international. Le rap vient des banlieues : les communautés urbaines pauvres. Ces régions sont composées de beaucoup d’immigrés, de langues, et de cultures qui combinent et forment une nouvelle société multiculturelle qui se manifeste dans le rap français.
Les habitants de ces banlieues n’ont pas beaucoup d’opportunité pour s’élever hors de leur classe socio-écomonique; la seule méthode pour exprimer une opinion ou recevoir le respect qu’on mérite est à travers le rap
Tout en restant continuellement inspiré par les rappeurs d'outre-Atlantique, le rap français élabore progressivement sa propre personnalité, oscillant entre revendications sociopolitiques, messages positifs ou festifs et tentation commerciale. Il est généralement admis que le rap fait partie du mouvement culturel plus général dit hip-hop.

Le rap francais est dévenu lors des derniers décénies unique dans le monde: tout en restant très poétique à travers la langue et ces moyens stylistiques comme le verlan, l‘argot ou les codes mixtes, il est politiquement très engagé et diversifié.
Surtout depuis le régime de Sarkozy et les attentats du 11 septembre en Amérique , les banlieusards islamiques sont confrontés à de nombreux préjugés. Des rappeurs comme Médine, Youssoupha, Sinik ou Kery James essayent de combattre à travers leur musique ces préjugés.

J‘ai visité le lycée de francais de Berlin où j‘ai non seulement passé mon BAC L et l‘Abitur allemand en 2006, mais aussi connu le multiculturisme par excellence: entre des Francais et Allemands de toute part, j‘ai découvert la langue et la culture francaise que je connaissais déjà de la maison. Mon beau-père, ancien attaché culturel de la RDA et de la France, me faisait écouter des chansonniers francais tels que Jacques Brel et me montrait la litérature francaise à travers les oeuvres de Jean-Paul Sartre et Albert Camus.

J‘ai découvert le monde du HipHop plus tard, après les cours, grâce au graffiti, mon premier moyen d‘expression. Aussi dans mon gang de graffiti, toutes les cultures se réunissaient; on étaient d‘origine allemande, francaise, turque, arabe, anglaise det tous les quartiers de Berlin. Mais ceci n‘était en aucun moment un problème ou un sujet d‘une eventuelle dispute; il n‘était pas question d‘où l‘on venait, mais c‘était la personalité qui comptait.

„ ...je me défini par mon caractère/ Trop exeptionel pour faire un boulot de merde/
J’ai tout donné, tout sacrifié pour mon mic et mon stylo/ J’étais mauvais à l‘école sauf les cours de théâtre et philo/ “ (extrait de „Qui-suis je? Le produit de Berlin!“)

Ma vie était toujours un grand écart: entre le lycée francais de Berlin et le graffiti, entre le théâtre, dans lequel je voyais toujours ma vraie profession, et entre la rue et ma maison. Quand mon beau père me faisait écouter Brel, Brassens, Piaf et Aznavour, mes potes et mon entourage manifestaient le rap dans ma vie.

Eminem, Snoop Dogg, Dr.Dre et autres sur le côté américain, Samy Deluxe, les Fanta 4 et Aggro Berlin sur le côté allemand, j‘ai commencé à écouter et être fasciné par le rap à l‘âge de treize ans. Mais c‘est beaucoup plus tard que je réalisais par des artistes comme Sniper, Sinik, Soprano, Booba et la Mafia K‘1 Fry que le rap francais est unique dans son domaine.

Le stylo remplace donc la bombe de peinture, l‘écriture en francais était non seulement plus fascile, mais comparé à l‘allemand, cette langue me semblait plus poètique.

Dans mon premier album „Le produit de Berlin“ qui est sans doute une thérapie et une enquête de mon identité: en lutte contre cette sociète qui veut mettre dans homme dans une sorte de catégorie je revendique mon identité multiple.

Mon nouveau opus me tient au coeur car il reflète en 13 titres toute ma vie et mon chemin en tant qu‘artiste. Je suis rappeur et comédien au théâtre et j‘adore la musique aussi bien que le jeu sur scène. Avec „Le produit de Berlin“ je veux prouver à mon public que même un rappeur francais qui vit en Allemagne peut enrigistrer un album fort et convaincant.

Le titre „Le produit de Berlin“ est l‘essence du disque et reflète ma vie. Mes vers franco-allemands portent des empruntes de la douleur, du chagrin et des problèmes de la vie quotidienne, mais donnent aussi de l‘espoir aux habitants de la capitale.

„Même si sur scène je joue un jeu, dans mes textes je reste vrai“ (Le First, „Rapgame“)

J‘essaye de parler avec le coeur, de ne pas me faire passer pour quelqu‘un qui je suis pas. j‘écrit ma vie et mon style de vie avec une grande perfection. Du‘un point de vue musical, l‘album offre un mélange entre instruments classiques et de sons lourds qui sont typique pour le rap francais.

Beaucoup d‘Allemands écoutent et aiment le rap francais, ca en incite même certains à apprendre la langue.
J‘ai fait l‘expérience que beaucoup de jeunes qui venaient à mes concerts se souvenaient surtout des cours douloureux de francais mais ma musique les motivait d‘être pus ouvert à cette langue. Je crois que le multiculturisme est la lutte contre le rascisme et fascisme caché et évident dans notre sociète qui garde encore beaucoup de préjugés envers certains religions ou minorités ethniques. „Être allemand“ ou „être francais“ n‘a rien avoir avec la fierté ou la défense des valeurs d‘un pays ou d‘une socièté mais d‘être ouvert au monde, aux autres cultures pour pouvoir mieux les comprendre.

Une double-culture n‘est jamais un désavantage même qu‘il ya presque toujours une récherche d‘identité qui va avec, mais cette recherche sert à connaitre mieux soit-même et à être ouvert aux autres cultures qui peuvent qu‘enrichir la propre vie.
Il telle identité et l‘art qui en résulte sert à combattre toutes les préjugés qui se sont désormais manifestés dans notre sociéte.

Comme Médine chantait dans son titre „Made-In“
„Au-delà des règles qui définissent les normes /Par-delà les frontières dessinées par les Hommes Ce n'sont pas les lois qui dictent ce que nous sommes/ Refuse les ordres d'être à l'image qu'on te donne: Le Monde est en toi, le monde est en toi“